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FRANKFURTER NEUE PRESSE
Brahms: Roots and Memories (9 Oct 2008)
Die Alte Oper Frankfut, 30. September 2008
Der Großmeister der Originalklangpraxis bot mit dem Chor und dem Orchestre Révolutionnaire et Romantique ein ebenso facettenreiches wie ungewohntes Programm: Chormusik von Johannes Brahms als Zentrum, abgerundet durch dessen 3. Sinfonie. Anzeige
Ein reiches Gebiet also, dem Gardiner geschickt Schwerpunkte gab: Lieder aus der Renaissance-Sammlung von Brahms (mit dem berühmten «Innsbruck ich muss dich lassen»), Brahms’ «Begegnung» mit Schubert, der dann auch original zu hören war in schier überfließender Lyrik der Frauenstimmen im «Harfenklang» op. 17,1, im wundervollen «Mondenschein» mit höchst beweglichem, geschmeidigem Tenorsolo oder «Ellens Gesang II», dessen Instrumentierung Brahms eindrucksvoll erweiterte. Schließlich die «Fünf Gesänge» op. 104, wohl der Gipfel der Brahms’schen Chorkompositionen von hinreißender Vielfalt und Dichte: Der Monteverdi Choir unter Gardiner sang dies ebenso zwingend wie anrührend, bestechend artikulierend.
Dies gilt auch für den nun sechsstimmigen «Gesang der Parzen», den Brahms nach Goethe schrieb, und mit dem Gardiner und seine Ensembles Großartigkeit wie dunkle Strenge, Schicksal und Trauer beschworen: eine kühne Brücke zur 3. Sinfonie. Gardiner bot eine farbige, präzise, auch analytische Interpretation. Sie verlor nie ihre innere Leichtigkeit, auch dank der lebendigen Artikulation des Orchesters, der Kraft der Aufschwünge. Ein großer Abend.jö
www.fnp.de/fnp/welt/kultur/rmn01.c.5197971.de.htm
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